Zeitgemäße Prüfungskultur – fürs Leben lernen, nicht für die Klassenarbeit

Du weißt, dass die Klassenarbeit nächste Woche vor allem eines misst: Wer am Abend vorher am längsten gebüffelt hat. Du ahnst, das KI den Aufsatz geschrieben hat, den du bewerten sollst. Du vergibst Noten, obwohl sie kaum etwas über die Anstrengung der Schüler*innen aussagen.
Schulen setzen auf neue Lernformen – Selbstorganisiertes Lernen, Projektlernen, Kompetenzorientierung –, doch die Prüfungskultur bleibt oft stehen. Wir begleiten Schüler*innen beim Denken lernen – und prüfen dann das Auswendiglernen. Das ist ein Widerspruch, der Lehrkräfte und Schüler*innen gleichermaßen frustriert. Aber wie kann eine zeitgemäße Prüfungskultur aussehen?
Drei Entwicklungen machen das Thema jetzt unausweichlich:
1) KI verändert die Ausgangslage und erzeugt Druck: Wenn ChatGPT den klassischen Aufsatz in 30 Sekunden schreibt, stellt sich die Frage: Was prüfen wir eigentlich noch? Das ist kein Problem, das man ignorieren kann – es ist eine Einladung, endlich die richtigen Fragen zu stellen.
2) Lernziele und Prüfungen passen nicht zusammen: Selbstregulation, Kollaboration, Problemlösung sind die Ziele moderner Lernkonzepte. Was hingegen Prüfungen oft immer noch messen: Reproduktion unter Zeitdruck, alleine, ohne Hilfsmittel. Das sendet ein falsches Signal an Schüler*innen: Was wirklich zählt, ist das das hier.
3) Schüler*innen spüren die Sinnlosigkeit: Weitverbreitete Phänomene wie Prüfungsangst, Bulimie-Lernen, fehlende Motivation haben auch mit Prüfungsformaten zu tun, die keine nachhaltige Auseinandersetzung mit Inhalten fördern.
Prüfungskultur ist der Spiegel der Lernkultur. Wer Eigenverantwortung ernst nimmt, muss auch ebendies prüfen: ob Schüler*innen Verantwortung für ihr Lernen übernehmen können – und nicht, ob sie Fakten abrufen können.
Björn Nölte, Schulrat der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO und Gründungsmitglied des Instituts für zeitgemäße Prüfungskultur, bringt Perspektive aus Schulaufsicht, Lehrkräfteausbildung und eigener Unterrichtspraxis mit. Im Gespräch mit Juliane Rau zeigt er in diesem Workshop, wie Prüfungskultur und Lernkultur zusammenhängen – und was konkret anders aussehen kann.
Für wen ist dieser Good-Practice-Workshop?
Für Lehrkräfte, Schulleitungen und alle, die Schule weiterentwickeln und wissen wollen, wie eine zeitgemäße und lernwirksame Prüfungskultur aussehen kann.
Das nimmst du mit:
- Klarheit darüber, warum zeitgemäße Prüfungskultur kein Nice-to-have ist – und was KI damit zu tun hat
- Orientierung: Welche Zusammenhänge zwischen Lernkultur, Selbstorganisation und Prüfungsformaten wirklich wichtig sind
- Konkrete Impulse und Formate, die du direkt ausprobieren kannst
- Raum zum Austauschen mit anderen und die Möglichkeit, deine Fragen zu stellen
Moderator*in:
Juliane Rau ist Referentin für Pädagogik und Lehrkräftefortbildung bei beWirken. Ihr Weg in den Bildungsbereich begann mit zwei Jahren als „Teach First“-Fellow an einer Berliner Sekundarschule, woran sie ein Quereinstiegs-Referendariat anschloss. Als ausgebildete Lehrerin hat sie mehrere Jahre als Fach- sowie Klassenlehrkraft gearbeitet und setzt diese Erfahrung jetzt in ihrer Arbeit als pädagogische Referentin bei beWirken ein, wo sie sich gemeinsam mit ihren Kolleg*innen für die Veränderung von Schule hin zu einer neuen, offeneren Lernkultur einsetzt. Hier verbindet sie ihre Leidenschaft für bedürfnisgerechtes Lernen, Demokratiebildung und Bildungsgerechtigkeit mit ihrer Expertise in Lernbegleitung, selbstorganisiertem Lernen und Lerncoaching.
Zu Gast:

Björn Nölte ist für die Schulaufsicht der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO verantwortlich. Zuvor war er am Studienseminar Potsdam als Fach- und Hauptseminarleiter tätig. Er unterrichtete die Fächer Deutsch, Geschichte und Politische Bildung und war Oberstufenkoordinator. Er ist Gründungsmitglied des Instituts für zeitgemäße Prüfungskultur, Berlin.
Foto Björn Nölte: Katrin Born


